Malin Müller interviewte die ehemalige WBB-Teilnehmerin Barbara Reiners, die es schaffte, beruflich nach 20 Jahren Familienpause wieder durchzustarten – ein Erfahrungsbericht, der Mut macht.

«Als die Kinder selbstständiger wurden, brauchten sie mich nur noch als Taxi». Dieser Einstiegssatz von Barbara Reiners lässt erahnen, welche innerlichen Hürden die ehemalige WBB-Teilnehmerin anfangs zu meistern hatte. Durch Kontakte ihres Mannes konnte Barbara Reiners für zwei Jahre mit einem befristeten Arbeitsverhältnis an der Fachhochschule in Kempten unterrichten. Danach begann die Suche erneut. Durch Recherchen im Internet ist sie auf das WBB-Programm gestossen, denn in Deutschland gab es nichts dergleichen – auch heute noch nicht, ihrer Meinung nach.

Wo stehen Sie jetzt in Ihrem Leben? Was ist Ihre aktuelle Tätigkeit?
Noch während dem WBB-Programm, bekam ich eine Festanstellung beim Allgäuer Überlandwerk. Es hat alles zusammengepasst und es war auch eine grosse Portion Glück dabei, dass ich zu dieser Stelle gekommen bin. Aber ich habe mich auch darum bemüht und viel dafür getan. Wer nur abwartet und denkt, dass mit dem Abschluss der Weiterbildung ein Job von allein kommt, der täuscht sich. Noch heute, nach über 10 Jahren, bin ich glücklich in diesem Job und arbeite nach wie vor in einem 100%-Pensum. Über die Jahre hat sich die Abteilung sehr gewandelt, wir sind von zweieinhalb auf sechs Mitarbeitende gewachsen. Auch hat sich der gesamte Tätigkeitsbereich verändert, gerade in der heutigen Zeit ist der Energiehandel extrem spannend und die Digitalisierung eine große Herausforderung. Neben meiner Haupttätigkeit habe ich noch einen Lehrauftrag an der Hochschule in Kempten, wo ich jeweils im Winter Vorlesungen halte.
 

Haben Sie noch ein weiteres berufliches Ziel, welches Sie in den nächsten Jahren erreichen möchten?
Mein Ziel ist es, in der Unternehmung zu bleiben. Die Bedingungen sind sehr gut und wir sind ein großartiges Team mit einem guten Vorgesetzten. So etwas würde ich nicht so einfach aufgeben. Meine Teamkolleg: innen sind alle ein Stück jünger als ich, das gefällt mir sehr gut, weil es mich auch fordert. Ich möchte schliesslich mit den Jüngeren mithalten können und bis jetzt schaffe ich das.

Was raten Sie einer Frau, die sich beruflich umorientieren will oder einen beruflichen Wiedereinstieg plant?
Die richtige Einstellung ist sehr wichtig. Man darf nicht denken, nach der Weiterbildung fliegen einem Jobangebote entgegen, sondern man muss selbst immer am Ball bleiben und sich darum kümmern. Auch darf man sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Meistens hat das nichts mit der Person zu tun. Es gibt so viele Faktoren, die einen Einfluss haben, ob man die Stelle schlussendlich bekommt oder nicht. Das richtige Timing und ein bisschen Glück spielen oft schon eine wichtige Rolle. Ein weiterer Punkt ist auch der finanzielle Aspekt, von welchem man sich nicht abschrecken lassen darf. Die Teilnahme am WBB-Programm hat einen stolzen Preis, der sich jedoch schlussendlich wirklich bezahlt macht.

Wir sind bereits am Ende des Interviews angelangt. Gibt es etwas, das Sie noch hinzufügen möchten?
Ja, da gibt es tatsächlich etwas, was ich jeder Frau mitgeben möchte. Mein Mann ist vor zwei Jahren verstorben. Jetzt bin ich auf die Arbeit angewiesen. Man weiss nie, was die Zukunft bringt, daher ist es wichtig für uns Frauen, dass wir nicht abhängig sind und dass wir einen Beruf haben, mit dem wir uns selbst versorgen können. Das finde ich wichtig! Vor allem jungen Frauen möchte ich das mit auf den Weg geben. Ich bin froh und dankbar, dass ich in diesem Fall alles richtig gemacht habe. Ich blicke auch gerne auf das WBB zurück, es war eine großartige Zeit und wir waren eine super Gruppe. Das Netzwerk der ehemaligen WBB-Teilnehmerinnen, hat für mich eine grosse Bedeutung – diese Freundschaften bestehen noch immer und sind sehr wertvoll.

Das «Women Back to Business-Programm», kurz WBB, richtet sich an Frauen mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss, die ins Berufsleben zurückkehren, sich nach einer längeren Pause neu positionieren oder mehr Verantwortung übernehmen wollen. Die Vermittlung der neuesten Management-Konzepte und -Theorien stehen neben der individuellen Karriereberatung sowie dem Mentoring-Programm im Mittelpunkt.

Hier geht es zum Career Relaunch Blog.

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Über die Autorin / den Autor

malin mueller

Malin Müller Digital Projekt Managerin Open Programmes

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