Seit 2017 geben wir am Competence Centre for Diversity and Inclusion jährlich zusammen mit Advance den Gender Intelligence Report heraus. Dazu analysierten wir 2021 mehr als 90 Unternehmen in der Schweiz, die mehr als 100 Mitarbeitende haben. Dieses Jahr sind es anonymisierte Daten von ca. 320’000 Mitarbeitenden, davon 122’000 im Kader. Zwar ist die Studie nicht repräsentativ im statistischen Sinne, da sie die KMU nicht vollständig berücksichtig, aber sie lässt doch Schlüsse zu, wie sich die Gleichstellung in der Schweiz in den mittleren und grösseren Unternehmen entwickelt und welche Massnahmen von den Firmen aktuell umgesetzt werden – besonders mit Fokus auf den Dauerbrenner Frauen in Führungspositionen. Drei positive Entwicklungen fallen dabei auf:

Die Fluktuationsraten von Frauen und Männern im Kader, aber weitgehend auch unter den Mitarbeitenden, gleichen sich mehr und mehr an und sind mittlerweile fast identisch. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmenskulturen zunehmend mit mehr Vielfalt umgehen können und nicht mehr nur von Männern und für Männer gemacht sind.

Dieses Jahr sehen wir erstmals einen Rückgang bei der Benachteiligung von Vollzeit nahen Teilzeitstellen bei den Beförderungen. In den letzten Jahren wurden die 80% bis 99% Beschäftigten deutlich weniger befördert, wobei teilweise grosse Unterschiede zwischen den Branchen bestehen. Die neuen Ergebnisse zeigen hier erstmals gegenüber den Vollzeit Beschäftigten kaum mehr Unterschiede.

Die Lohndiskriminierung im engeren Sinne (gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit) ist relativ gering. Ende Juni ist die Frist zur Überprüfung der Löhne abgelaufen. Am CCDI haben wir zahlreiche Firmen diesbezüglich analysiert oder beraten. Nur drei Prozent in unserem Sample haben den vom Bund festgelegten Toleranzwert von fünf Prozent für die unerklärte Lohndifferenz für gleichwertige Arbeit überschritten.

Trotzdem bleibt noch viel zu tun. In Bezug auf Lohngleichheit ist die Beschäftigungsdiskriminierung die grosse Herausforderung. Der Hochlohn-Sektor – sei es in höheren Führungspositionen oder in MINT-Berufen – ist nach wie vor von Männern dominiert. Das hängt mit den Bildern in unseren Köpfen oder sogenannten Unconscious Bias zusammen. Unbewusst sehen wir immer noch den Mann in Führungspositionen, die Frau sich um die Kinder kümmern und folglich bleiben viele Berufe und Führungspositionen

stark geschlechtersegregiert. Auf diesen alten Bildern fussen aber auch immer noch viele unserer Strukturen und Prozesse, in den Firmen z. B. die Erwartungen von einer bestimmten Anzahl Erfahrungsjahren oder sehr spezifischen Ausbildungen für generalistische Führungspositionen, auf politischer Ebene das Steuersystem, welches die Einkommen addiert und so einen Fehlanreiz für einen höheren Beschäftigungsgrad der Frauen setzt.

Wir alle können einen Beitrag leisten, dass die Gleichstellung rascher Wirklichkeit wird – im Kleinen wie im Grossen. Als Führungskräfte können wir so auch dem drohenden Fach- und Führungskräftemangel entgegenwirken und die Innovationsfähigkeit unserer Unternehmen aufrecht erhalten.

Erfahren Sie mehr unter www.advance-hsg-report.ch

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Prof. Dr. Gudrun Sander Director Competence Centre for Diversity and Inclusion

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