1. Nachhaltigkeit und Verantwortung werden heute mehr denn je gefordert – insbesondere von jungen Menschen. Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf Unternehmen?

Unternehmen und Führungskräfte sind, was Nachhaltigkeit und Verantwortung betrifft, zunehmendem Druck ausgesetzt. Dieser Druck kommt von verschiedenen Anspruchsgruppen, zum Beispiel von den Kunden. Sie kaufen gewisse Produkte oder eben nicht, etwa weil sie zu wenig nachhaltig sind. Auch die Medien üben Einfluss aus und können die Reputation eines Unternehmens massgeblich beeinträchtigen. Ein einflussreicher Faktor sind zudem die Sozialen Medien. Heute informieren sich Konsumenten genauer und sehen sehr schnell, welche Werte ein Unternehmen vertritt und wie verantwortungsvoll es handelt, das jüngste Beispiel zeigt Siemens. Verhält sich ein Unternehmen nicht im Sinne der Nachhaltigkeit, gibt es sehr schnell Reaktionen von der Gesellschaft. Hier müssen Führungskräfte und Unternehmen reagieren, um erfolgreich bestehen zu können. Handelt ein Unternehmen verantwortungsvoll und ethisch, kann es sich längerfristig deutlich von seinen Mitbewerbern abheben.

 

  1. Wieso tun sich Unternehmen schwer sich zu transformieren? Wie kommt es, dass Unternehmen hier nachhinken?

Um sich zu ändern braucht es Wandel – Wandel im Bewusstsein, Wandel in den Strukturen, Wandel in den Strategien und vor allem, Wandel im Verhalten. Muster müssen gebrochen werden und dies ist immer mit Widerstand verknüpft. Es müssen Anreize geschaffen werden, um Wandel voranzutreiben. Transformation findet im Verhalten und in den Strukturen statt. Es ist ein langer Weg vom Bewusstsein «Hey, ich sollte etwas machen» bis hin zur effektiven Verhaltensänderung. Und wenn die Anreize, etwas zu ändern nicht genug gross sind, dann geht es noch länger. Den Unternehmen und Führungskräften fehlen oft die richtigen Instrumente. Hier wollen wir sie unterstützen und ihnen helfen, sich aus der «Comfort Zone» herauszubewegen.

 

  1. Wie können Unternehmen nachhaltig zu sein, die Bedürfnisse der Aktionäre erfüllen und gleichzeitig den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen?

Der Druck von Aktionären, erfolgreich zu sein, kann durchaus zu Interessenskonflikten zwischen kurzfristiger und langfristiger Gewinnorientierung führen. Hier stehen die Führungskräfte in der Verantwortung, um nachhaltige Lösungen zu finden und Mehrwert für die Gesellschaft zu generieren. Nur so kann ein Unternehmen langfristig überlebensfähig sein. Unternehmen brauchen einen «Purpose» und hier sehe ich eine besondere Herausforderung für Führungskräfte: Dass sie den Purpose des Unternehmens auch wirklich authentisch leben. Viele, vor allem traditionelle Unternehmen, schreiben sich zwar einen Purpose auf die Fahne, schaut man jedoch genauer hin, merkt man oft, dass es nicht wirklich gelebt wird. Führungskräfte müssen Prozesse anpassen und den Purpose auch wirklich vorleben und selbst Verantwortung übernehmen: «walk the talk»! Die Digitalisierung eröffnet hierbei zahlreiche Chancen – mit dem richtigen Know how lässt sich im Bereich Nachhaltigkeit viel bewirken.

 

  1. Warum stehen Führungskräfte und Unternehmen heute in der Verantwortung?

Jeder und jede von uns beeinflusst mit dem heutigen Handeln die Zukunft. Wir müssen entscheiden, wie unser Beitrag aussehen soll. Wollen wir in der Summe Wert vernichten, indem wir nicht nachhaltig handeln oder möchten wir eine Zukunft für die nächste Generation aufbauen. Dazu braucht es einen bewussten Entscheid, es braucht Führungskräfte, die reflektieren und dazu beitragen, dass wir auch in Zukunft auf dieser Welt in Frieden zusammenleben können.

  1. Welche Fähigkeiten braucht eine Führungskraft, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

Es braucht Offenheit und Bereitschaft, etwas bewegen zu wollen. Führungskräfte, die den Wandel akzeptieren und aktiv angehen wollen. Es braucht neue Arten der Zusammenarbeit, es braucht nachhaltiges und verantwortungsvolles Denken – egal in welcher Branche. Es braucht zukunftsorientierte Leader, die bereit sind, kurzfristige Gewinneinbussen in Kauf zu nehmen, um langfristig Mehrwert zu schaffen. Es braucht Mut, eine Vision, Empathie, die Fähigkeit delegieren zu können und seine Mitarbeitenden zu inspirieren. Eine gute Führungskraft hat Respekt gegenüber den Mitarbeitenden und der Umwelt. Mit dem Nachrücken neuer Generationen wird dieser hohe Anspruch noch mehr gefordert.

 

  1. Gibt es Best Practice Beispiele von Unternehmen?

Es gibt wohl kaum Unternehmen, die von A bis Z alles gut machen. Aber es gibt zahlreiche Elemente und Initiativen von Unternehmen in die richtige Richtung. Erfolgreiche Start-ups sind meines Erachtens gute Beispiele. Der Gründer eines Start-ups hat eine Vision und Werte, er identifiziert ein Markbedürfnis und er sucht sich ein Team zusammen, das extrem committed ist. Was natürlich dem Start-up fehlt, sind Strukturen, Prozesse und oft auch die Grösse, viel bewirken zu können. Das aufzubauen ist eine Herausforderung.

Die Frage ist, was heisst nachhaltiges Wachstum? Heisst es immer mehr Profit zu generieren oder heisst es, Mehrwert für alle Stakeholder am Markt zu schaffen, faire Löhne zu zahlen, ein gutes Produkt mit guter Qualität zu produzieren? Fact ist, Unternehmen sind sständig gefordert, auf veränderte Umwelteinflüsse zu reagieren und schlussendlich sehe ich die Verantwortung wieder bei den einzelnen Führungskräften, die gute Entscheidungen treffen können und ein Vorbild für ihre Mitarbeitenden sein können.

 

 

 

 

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Über die Autorin / den Autor

Martina Müri Public Relations Manager

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